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Mit dem Austria-Ticket unterwegs
ein Reisetagebuch ( I )
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Mit dem in der zweiten Hälfte der 70er Jahre eingeführten Austria-Ticket stand mir zum
ersten Mal eine preisgünstige Netzkarte für sämtliche ÖBB-Strecken zur Verfügung, mit
der sich eine Ferienreise ausschließlich zum Zweck des Eisenbahnfotografierens durch-
führen ließ. Taschengeldmäßig eher knapp gehalten, mußte aber im Vorfeld zunächst etwas
Geld verdient werden. Dabei bot sich die nur zehn Kilometer von zu Hause entfernte
Autobahntankstelle Bergen/Hochfelln an, an der man als Aushilfstankwart in der Hauptsaison
4,50 DM in der Stunde verdienen konnte. Für einen Ferienjob war das seinerzeit gar nicht so
schlecht bezahlt - und Trinkgeld gab es ja schließlich auch noch. Mit den von mir anvisierten
vier Wochen Arbeit sollte sich meiner Berechnung nach eine 16-Tage-Tour durch Österreich
halbwegs finanzieren lassen. Gott sei Dank interessierte sich damals kein Schwein dafür, wie
viele Tage in der Woche man als Schüler in den Ferien arbeitete, so daß ich mit dem Pächter
neben der planmäßigen Fünftagewoche noch ein paar Sonderschichten vereinbaren konnte.
So brachte ich nach Ablauf der vier Wochen weit über 1000,- DM nach Hause. Dieser Betrag
schrumpfte aber nach dem Kauf von 60 Dia- und 10 Negativfilmen auf annähernd die Hälfte
zusammen, denn diese waren im Vergleich zu heute relativ teuer: im Zehnerpaket mußten für
einen Peruchrome C19 Diafilm 7,90 DM auf den Tisch gelegt werden! Nach dem Erwerb des
Austria-Tickets, eines Kursbuches und dem Einkauf von Wurstkonserven und Knäckebrot
blieben mir für die 16 Tage knapp 200,- DM übrig. Da damit kaum stationäre Über-
nachtungen zu bezahlen waren, stand fest, daß ich die Nächte größtenteils in Zügen oder auf
Bahnhöfen verbringen würde. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Mein Hauptinteresse galt schon damals der E-Traktion und so lag es auf der Hand, daß ich
in den gut zwei Wochen hauptsächlich elektrifizierte Strecken befahren würde. Mein erstes
Ziel der am 27. August 1978 angetretenen Fototour war Bludenz am westlichen Ende der
Arlbergrampe. Auf dem Weg dorthin begegneten mir zahlreiche interessante Fahrzeuge; in
meinem Fototagebuch tauchen auf der Fahrt zwischen Wörgl und Bludenz fünf I0I0/III0er,
zwei I020er, zwei I245er, vier I06I/II6Ier, vier I670er und ein 40I0er auf. Die damals wegen
ihrer Omnipräsenz nicht besonders beliebten I042er waren südlich und westlich von
Innsbruck noch nicht anzutreffen und von den I044ern gab es noch zu wenige, um wirklich
lästig werden zu können; im Sommer 1978 waren erst 20 Maschinen dieser Reihe einsatzbereit.
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In Bludenz legte ich dann den ersten großen Fotohalt ein, denn in der dortigen Zugförderungs-
stelle standen wirklich haufenweise interessante E-Loks herum, auf den Gütergleisen mühte
sich eine II80er im Verschubdienst ab (auch akustisch ein Leckerbissen!) und die alten Trieb-
wagen der Montafoner Bahn waren auch das eine oder andere Foto wert. Auf einem Abstellgleis
hinter dem Lokschuppen stand darüberhinaus noch die kassierte I570.0I und - ich traute
meinen Augen kaum - die Attnanger I089.06! Die Lok war als Ausstellungsstück für eine
Krokodilschau in Luzern vorgesehen und erst zwei Tage zuvor in Vorarlberg eingetroffen.
Leider war in der ganzen Zf niemand aufzutreiben, der das Krokodil hätte in Bewegung setzen
können; ich brachte aber in Erfahrung, daß zwei Tage später ein Fototermin mit der Lok
geplant war. Damit stand natürlich fest, daß ich die nächsten Tage in Westösterreich ver-
bringen würde. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Zunächst aber stand Bregenz auf dem Programm. Der Bahnhof hatte seinerzeit noch seine alte
Lage mit dem schönen Aufnahmegebäude und diente auch noch als Ausgangspunkt für die
Bregenzerwaldbahn. Der lokbespannte Reisezugverkehr war zu diesem Zeitpunkt hier noch
eine Domäne der Reihe I670; dazwischen liefen noch Regionalzüge mit 4030ern, die aber zum
größten Teil noch nicht umgebaut waren und daher noch ihre alten zweistelligen Ordnungs-
nummern trugen. .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Nachdem ich mich in Bregenz fotomäßfig einigermaßen ausgetobt hatte, marschierte ich ein
paar Kilometer der Strecke entlang bis Riedenburg, wo ich kurz vor Sonnenuntergang noch
die erst wenige Monate alte I044.09 und kurz darauf die etwas betagtere I670.I05 aufnehmen
konnte. .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Danach begab ich mich auf den Rückweg nach Bludenz; unterwegs wurden die Konserven
und das Knäckebrot deutlich dezimiert. Inzwischen wurde es dunkel und ich mußte mir schön
langsam Gedanken über meine Übernachtung machen. Ein Blick in's Kursbuch verriet mir,
daß ich von Bludenz aus mit einem Nachtzug Richtung Wien bis Zell am See fahren und dort
nach einer Stunde Wartezeit mit dem Gegenzug wieder zurückfahren konnte. Damit war die
erste Nacht gerettet; die Wartezeit im Zell am See wurde mit dem Versuch überbrückt, die
dort im Nachtverschub eingesetzte I04I.08 einigermaßen abzulichten. Gott sei Dank stand die
Lok direkt unter einer hellen Gleisfeldlaterne; so war trotz Dunkelheit eine brauchbare
Belichtungszeit möglich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Bei der Ankunft in Bludenz trat zunächst eine kleine Ernüchterung ein: nach der Durchfahrt
durch den Tunnel mußte ich nämlich feststellen, daß der Himmel auf der Westseite des
Arlbergs vollständig bedeckt war. So hielt ich mich nur kurz in Bludenz auf; im Bild fest-
gehalten wurde lediglich die damals immer noch betriebsfähig vorgehaltene Dampfschnee-
schleuder 986.I0I und die III0.5I9, die eine zeitlang ohne E-Bremse im Einsatz war und mit
ihren fehlenden Widerstandsaufbauten einen ungewöhnlichen Anblick darbot. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kurz darauf befand ich mich schon wieder auf der Fahrt Richtung Osten. Gott sei Dank hielten
die hohen Berge die Bewölkung von der Ostrampe fern. Ein Kreuzungsaufenthalt in Strengen
wurde zum Ablichten der III0.I4 hinter einem Bahnübergang mit einem fotogenen Läutewerk
genutzt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Wenig später befand ich mich in Landeck, wo ich den Zug verließ und zunächst einmal ein
bißchen im Bahnhofsbereich fotografierte. Das brachte mir neben den obligatorischen III0ern
und I020ern vier I670er und zwei II80er ein. Der einzige Staubsauger, die sich an diesem Tag
sehen ließ, war die noch fast neue I044.I2 - und diese war durch den Vorspann der I670.I02
ausreichend veredelt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Eine kurze Wanderung westwärts brachte mich zum Haltepunkt Landeck-Perfuchs, der sich
direkt hinter einem Bahnübergang befand. Heute steht hier eine klobige Betonbrücke und
auch der Haltepunkt ist schon längst verschwunden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Nach dem Foto marschierte ich wieder zurück zum Bahnhof, denn ich hatte die Hoffnung auf
Sonnenschein in Vorarlberg noch nicht aufgegeben und wollte mit dem nächsten Personenzug
nach Bregenz fahren. Meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht: mittlerweile gab es auch im
äußersten Westen Österreichs Sonne satt. In Bregenz sackte ich wie schon am Vortag
zahlreiche alte E-Loks ein; unter Anderem die III0.I3 neben der I670.22 und die II80.0I, die
als einzige ihrer Reihe eine blutorange Lackierung erhalten hatte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . .
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Am Spätnachmittag war es dann wieder Zeit, nach Osten aufzubrechen. Das Ziel hieß Feldkirch,
wo ich wieder den Wiener Nachtzug besteigen und in Zell am See wenden wollte. Die Nachtfahrt
verlief wie am Vortag, nur das Fotografieren der Nachtverschublok schenkte ich mir dieses Mal.
Es war nämlich deutlich kälter als am Vortag, weshalb ich bis zum Eintreffen des Gegenzuges
lieber im warmen Aufnahmegebäude blieb. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Der dritte Tag in Westösterreich begann bereits mit strahlendem Sonnenschein. Einer der
ersten zu fotografierenden Züge war ein Spantenwagenpersonenzug, den die I670.I04 nach
Landeck zu befördern hatte. Etwas später kam der 40I0.I9 daher. Dieser Zug entstammt einer
Nachbauserie und war im Sommer 1978 erst knapp zwei Jahre alt! Inzwischen hatte sich schon
allerhand fotografierendes Volk eingefunden; die Kunde von dem Fototermin mit der I089.06
hatte sich offensichtlich herumgesprochen. Als sich der Pulk Richtung Zf in Bewegung setzte,
war die Lok schon auf das Gleis neben der Halle gefahren worden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Nachdem das Krokodil ausreichend fotografiert worden war, machte ich mich in der Lokleitung
noch kundig, wo ich weitere auf meiner Bestandsliste noch fehlende II80er antreffen würde. Ich
erhielt die Auskunft, daß sich eine davon, die II80.06, im Raum Bregenz befinden würde und so
machte ich mich dorthin auf den Weg. Tatsächlich traf ich die Lok in Bregenz an - allerdings
nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt hatte: sie war nämlich (zusammen mit der I670.I05)
vor dem alten Lokschuppen abgestellt und weit und breit niemand zu sehen, der sie schnell
hätte aufbügeln können. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Wenig später trat ich die Rückfahrt nach Bludenz an, wo ich gerade rechtzeitig ankam, um den
nach Schruns ausfahrenden ET 10.106 der MBS noch aufzunehmen. Hinter diesem Triebwagen
verbirgt sich der ehemalige 4060.0I der ÖBB, der Anfang der 70er Jahre gebraucht an die
Montafoner Bahn abgegeben worden war. Einen besonderer Leckerbissen stellte die Ausfahrt
der I020.45 als Vorspann vor der III0.20 vor einem stattlichen Güterzug dar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Da ein paar Eisenbahnfreunde aus der Umgebung von Bremen, die ich frisch kennengelernt
hatte, nach Landeck wollten, beschloß ich mich ihnen anzuschließen. Das Kernstück des
Zuges, den wir benutzten, bestand aus sieben Schlierenwagen, an die vorne ein Vorkriegs-
vierachser und hinten drei grüne Schnellzugwagen neuerer Bauart angehängt waren. Das war
für eine III0 auf dieser Strecke natürlich etwas viel, weshalb sich III0.522 und 526 diese
Aufgabe teilten. Der späte Nachmittag in Landeck brachte noch so manche interessante
E-Lok ein; so unter Anderem III0.I3, vor die sich dann die I020.45 als Vorspann setzte oder
ein Güterzug mit einer Doppeltraktion aus I020.42 und 4I. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kurz vor Sonnenuntergang - zu Fotografieren gab es ohnehin nichts mehr - breiteten wir uns
auf einer Bank auf dem zweiten Bahnsteig mit unserer Brotzeit aus. Dank des Durchtäuschelns
unserer Lebensmittel wurde es ein recht abwechslungsreiches Abendessen. Während meine
neuen Bekannten eine Unterkunft in Landeck hatten, sollte für mich wieder das Wiener
Nachtzugpaar als Nachtquartier dienen. Das Vorhaben, einen weiteren Tag am Arlberg zu
verbringen, machte dann aber mein gesunder Schlaf zunichte: anstatt wie in den Tagen zuvor
irgendwo zwischen Wörgl und Zell am See "planmäßig"aufzuwachen, blinzelte ich erst in
Salzburg ziemlich müde aus dem Abteilfenster zum Bahnsteig hinaus. . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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