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der Tatzelwurm einst und jetzt

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Mitte der 50er Jahre befand sich München im Wahrsten Sinne des Wortes im

Umbruch: als das Maß aller Dinge galt seinerzeit die "autogerechte Stadt" - und

entsprechend großzügig wurden (nicht nur in München) Straßen und Autobahnen

neugebaut oder umgestaltet. Nach dem Willen der Stadtplaner sollte München

drei Ringstraßen erhalten: den inneren Ring (R1), den Mittleren Ring (R2) und

den Außenring (R3). Beim Innenring (besser bekannt unter dem Namen

Altstadtring) verabschiedete man sich gottlob davon, diesen autobahnähnlich

auszuführen - dabei wäre das Stadtbild an vielen Stellen nachhaltig zerstört

worden. Allerdings ist er als echte Ringschnellstraße nur in Fragmenten

verwirklicht worden. Der Mittlere Ring wurde von einer Einschränkung

abgesehen weitgehend so gebaut wie in den Planungen vorgesehen - lediglich auf

die Kreuzungsfreiheit verzichtete man aus Kostengründen jahrzehntelang. Vom

Außenring wurde nur relativ wenig in die Tat umgesetzt: die Frankfurter und

Moosacher Straße wurden großzügig ausgebaut und der Föhringer Ring als

Neubaustrecke erstellt - das war´s dann. Um den Durchgangsverkehr aus

der Stadt herauszuhalten, wurde später ersatzweise nach und nach die A99 als

Autobahnaußenring gebaut; am Widerstand der Gemeinden Pullach und Grünwald

ist die Schließung dieser an und für sich sinnvollen Umfahrungsmöglichkeit

Münchens im Südwesten allerdings bis heute gescheitert, weshalb sich der

Schwerverkehr vom Osten (BAB Salzburg - München) in Richtung Westen

(BAB München - Stuttgart) und umgekehrt nach wie vor über den Mittleren Ring

durch die Stadt quält. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Mit dem Aus- bzw. Neubau der Ringstraßen sollten auch die Autobahnanbindungen

Münchens nachhaltig verbessert werden. Einer der Kernpunkte dabei war die

Verlegung des Autobahnendes der Nürnberger Autobahn vom Kieferngarten zur

Schenkendorfstraße. In Freimann mußten dazu mehrere Brücken auf engstem

Raum gebaut werden, um den Münchner Nord(Bahn-)ring und die zum Ausbau

vorgesehene Frankfurter Straße überqueren und die Auf- bzw. Abfahrten

unterbringen zu können. Für meinen Vater war diese Baustelle der erste Einsatz

als leitender Ingenieur vor Ort - ihm verdanke ich die folgenden alten Aufnahmen.

Ich habe mir in den vergangenen Monaten die Mühe gemacht, die damaligen

Aufnahmestandorte nochmals aufzusuchen und den Istzustand im Bild festzuhalten.

Der direkte Bildvergleich ist leider etwas schwierig, da die alte Kamera ein

38mm-Standardobjektiv hatte und somit meine Aufnahmen mit dem 50er nicht

exakt den gleichen Bildausschnitt wiedergeben können. Dennoch läßt sich anhand

vieler Details deutlich erkennen, daß es sich tatsächlich weitgehend um die selben

Standorte handelt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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  . Als das Gerüst für den Brückenneubau über den Nordring erstellt wurde, war von der

. Autobahn in Freimann noch nichts zu sehen.

 
   
  . Die Überquerung des Nordrings heute. Interessant beim Vergleich der beiden Bilder

. ist die Tatsache, daß das kleine Stellwerk offensichtlich erst nach der Fertigstellung

. der Autobahn an diese Stelle gesetzt worden ist.

 
     
   
  . Die Endhaltestelle der Trambahnlinie 6 mußte während der Bauarbeiten auf eine

. provisorische Schleife mitten auf die grüne Wiese verlegt werden. Das Bild zeigt

. den südlichen Brückenkopf des Tatzelwurmes; das Gebäude im Hintergrund steht

. übrigens immer noch, wird aber heute durch den Fahrbahndamm völlig verdeckt.

 
   
  . Wegen des unmittelbar bevorstehenden Abrisses der Tatzelwurmbrücken wurde der

. Bewuchs um das Bauwerk herum Anfang 2007 großzügig entfernt. Nur deshalb war

. es nun möglich, den Brückenkopf wieder frei fotografieren zu können

 
     
   
  . Das Gerüst für die Brücke über den Nordring in einer etwas späteren Bauphase  
   
  . die selbe Stelle Ende Feber 2007  
     
   
  . Blick vom Baugerüst der Bahnüberquerung Richtung Süden. Die Ungererstraße

. war seinerzeit im Norden noch fast unverbaut. In der Bildmitte zweigt die Frankfurter

. Straße (damals noch eine mäßig frequentierte Vorstadtverbindung) nach Westen ab;

. die Verlängerung nach Osten (der Föhringer Ring) existierte noch nicht. Gut zu

. erkennen ist im Hintergrund die provisorische Endschleife des 6ers. Anhand der

. Rodungen sieht man auch deutlich den späteren Verlauf der Autobahn.

 
   
  . Den heutigen Zustand dieser Stelle mußte ich auf zwei Aufnahmen aufteilen, da die

. inzwischen fertiggestellte Autobahn die Aussicht von damals weitgehend verstellt.

. Die Straßengabel von einst ist jetzt eine Kreuzung zweier stark ausgebauter

. Verkehrswege. Die Ungererstraße ist deutlich breiter geworden, ebenso die Frankfurter

. Straße, die heute Frankfurter Ring heißt. Von Links mündet hier nun der Föhringer

. Ring ein. Die Straßenbahn ist schon seit fast 40 Jahren durch die U-Bahn ersetzt, die

. in diesem Bereich in einem Einschnitt verläuft.

 
   
  . Von der rechten Bildhälfte erkennt man auf den ersten Blick fast nichts wieder; hier

. verläuft heute die Abfahrt zum Föhringer Ring. Erst bei genauem Hinsehen fällt das

. Gebäude hinter dem (Gott sei Dank laublosen) Baum auf, mit dessen Hilfe sich die

. Stelle dann doch einigermaßen fixieren läßt. Die Silhouette der Landeshauptstadt hat

. sich ebenfalls recht deutlich verändert...

 
     
   
  . Ebenfalls vom Baugerüst aufgenommen ist dieser Blick nach Osten. Auf dem hier

. schon freigeräumten Kieskreis wird später die Auffahrtspirale von der Freisinger

. Landstraße (heute Situlistraße) bzw. vom noch zu erstellenden Föhringer Ring zur

. Autobahn gebaut - links als Rampe, rechts als Brücke. Mit dem Bau des Föhringer

. Rings wurde kurz darauf begonnen. Auf dem Nordring ist eine tannengrüne E 44

. mit einem Kohlenzug aus zweiachsigen O-Wagen unterwegs, die die Baustelle mit

. abgesenkten Stromabnehmern passieren muß.

 
   
  . Die Auffahrtspirale heute - links die Rampe, rechts die Brücke. Der Nordring ist

. praktisch völlig zugewachsen; erst bei ganz genauem Hinsehen erkennt man mit

. Müh´ und Not einen in einer kleinen Baumlücke stehenden Fahrleitungsmasten.

 
     
   
  . Inzwischen sind die Brücken weitgehend fertiggestellt und das Ende der aus Freising

. kommenden Landstraße darunter zur besseren Verkehrsaufteilung zweibahnig

. ausgebaut. Interessant ist der Mercedes-Rundhauber mit dem Tankauflieger; leider

. ist die Aufschrift wegen der Bewegungsunschärfe nicht entzifferbar.

 
   
  . Wegen eines großen Erdhaufens mußte ich den Fotopunkt für mein Vergleichsbild

. um etwa 30m nach Süden verlegen. Trotzdem sieht man gut, wie die gebogene Brücke

. inzwischen eingewachsen ist. Neben der Situlistraße verläuft heute die Trasse der

. U-Bahn.

 
     
   
  . Einen Tag vor der Verkehrsfreigabe des neuen Autobahnabschnittes machte es noch

. nichts aus, daß der VW-Käfer auf der falschen Straßenseite fuhr. Das Bild entstand

. an der Abfahrt zum Föhringer bzw. Frankfurter Ring. Interssant ist die Tatsache,

. daß damals Leitplanken zwischen den beiden Fahrbahnen nicht für notwendig

. erachtet wurden.

 
   
  . Die Leitplanken sind hier inzwischen natürlich schon längst nachgerüstet worden.  
     
   
  . Der große Tag ist da: mit bischöflichem Segen wird die neue Autobahn eingeweiht.  
     
   
  . Die Bonzen reisten standesgemäß an - wobei das seinerzeit nicht zwingend ein

. Fahrzeug mit Stern auf der Kühlerhaube bedeutete. Das "P" vom Opel hat so wie

. es scheint eine kleine Kopfnuß bekommen...

 
     
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Nach über 45 Jahren sind die Tage des Tatzelwurmes in seiner bisherigen Form

gezählt. Da in den Erhalt der Bausubstanz seit Längerem nichts mehr investiert

worden ist, befindet sich das Bauwerk inzwischen in einem derart erbärmlichen

Zustand, daß nur noch der Abriß bleibt. Darüberhinaus ist nach dem sechsstreifigen

Ausbau der A9 bis Freimann der verbliebene Altbauabschnitt ohnehin zu einem

stauintensiven Nadelöhr im Münchner Norden geworden, das nun beseitigt wird.

So kann ich vielleicht meine eigenen Aufnahmen in einigen Jahren auch wieder

zu einem Bildvergleich von "einst" und "jetzt" nutzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Die kleine Serie "aus Vatterns Diaschrank" ist mit diesem Beitrag aber leider

zu Ende, da mein Vater die Bilddokumentation seiner Arbeitsstellen zu meinem

Bedauern recht früh aufgegeben hat. Ein Bild möchte ich Euch aber zum Abschluß

nicht vorenthalten, nämlich das, weswegen ich diese Diaschätze überhaupt erst

ausgegraben habe. Ihr erinnert Euch? Ich hatte eigentlich eine Aufnahme vom

ersten eigenen Auto meines Vaters gesucht und dieses Dia dann nach einigem

Suchen mitten in den hier gezeigten Baustellenbildern gefunden: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 
   
  . Ein fast neuer 1958er DKW mit Weißwandreifen - sind das nicht Formen?  
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. . Ha det bra!

. . . . Euer

. . . . . . . . . . .. . E-Lok-Woife

 
     

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